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17.03.2020

Veranstaltungsverbote und Betriebsuntersagungen anlässlich der Corona-Pandemie

 

Bayerisches Staatsministerium für
Gesundheit und Pflege
Bayerisches Staatsministerium für
Familie, Arbeit und Soziales


Vollzug des Infektionsschutzgesetzes (IfSG)
Vollzug des Ladenschlussgesetzes (LadSchlG)

Veranstaltungsverbote und Betriebsuntersagungen anlässlich der
Corona-Pandemie

Bekanntmachung

des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege und
des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales
vom 16.03.2020, Az. 51-G8000-2020/122-67

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege erlässt auf der
Grundlage des § 28 Abs. 1 Satz 2 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in Verbindung
mit § 65 Satz 2 Nr. 2 der Zuständigkeitsverordnung (ZustV)
und das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales erlässt
auf der Grundlage des § 23 Abs. 1 des Ladenschlussgesetzes (LadSchlG) in
Verbindung mit § 1 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung über gewerbeaufsichtliche
Zuständigkeiten (ZustV-GA) in Verbindung mit Ziff. 8.4 der Anlage zur ZustVGA
aufgrund des bayernweit einheitlichen Anlasses der Bewilligung folgende

Allgemeinverfügung:

1. Veranstaltungen und Versammlungen werden landesweit untersagt. Hiervon
ausgenommen sind private Feiern in hierfür geeigneten privat genutzten
Wohnräumen, deren sämtliche Teilnehmer einen persönlichen Bezug (Familie,
Beruf) zueinander haben. Ausnahmegenehmigungen können auf Antrag
von der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde erteilt werden, soweit dies im
Einzelfall aus infektionsschutzrechtlicher Sicht vertretbar ist.

2. Der Betrieb sämtlicher Einrichtungen, die nicht notwendigen Verrichtungen
des täglichen Lebens dienen, sondern der Freizeitgestaltung, wird untersagt.
Hierzu zählen insbesondere Sauna- und Badeanstalten, Kinos, Tagungs- und
Veranstaltungsräume, Clubs, Bars und Diskotheken, Spielhallen, Theater,
Vereinsräume, Bordellbetriebe, Museen, Stadtführungen, Sporthallen, Sportund
Spielplätze, Fitnessstudios, Bibliotheken, Wellnesszentren, Thermen,
Tanzschulen, Tierparks, Vergnügungsstätten, Fort- und Weiterbildungsstätten,
Volkshochschulen, Musikschulen und Jugendhäuser.

3. Untersagt werden Gastronomiebetriebe jeder Art. Ausgenommen hiervon
sind in der Zeit von 6.00 bis 15.00 Uhr Betriebskantinen sowie Speiselokale
und Betriebe, in denen überwiegend Speisen zum Verzehr an Ort und Stelle
abgegeben werden. Ausgenommen ist zudem die Abgabe von Speisen zum
Mitnehmen bzw. die Auslieferung; dies ist jederzeit zulässig. Es muss sichergestellt
sein, dass der Abstand zwischen den Gästen mindestens 1,5 Meter
beträgt und dass sich in den Räumen nicht mehr als 30 Personen aufhalten.
Weiter ausgenommen sind Hotels, soweit ausschließlich Übernachtungsgäste
bewirtet werden.

4. Untersagt wird die Öffnung von Ladengeschäften des Einzelhandels jeder Art.
Hiervon ausgenommen sind der Lebensmittelhandel, Getränkemärkte, Banken,
Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Filialen
der Deutschen Post AG, Tierbedarf, Bau- und Gartenmärkte, Tankstellen,
Reinigungen und der Online-Handel. Die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden
können auf Antrag Ausnahmegenehmigungen für andere für die
Versorgung der Bevölkerung unbedingt notwendige Geschäfte erteilen, soweit
dies im Einzelfall aus infektionsschutzrechtlicher Sicht vertretbar ist. Die
Öffnung von Einkaufszentren und Kaufhäusern ist nur für die in Ziffer 4 genannten
Ausnahmen erlaubt.

5. Ist zur Versorgung der Bevölkerung mit existenziellen Gütern eine Öffnung
nach Ziffer 4 gestattet, so sind die Öffnungszeiten abweichend von § 3 Lad-
SchlG:
a. an Werktagen von 6 Uhr bis 22 Uhr
b. an Sonn- und Feiertagen von 12 Uhr bis 18 Uhr.

6. Auf die Strafbarkeit einer Zuwiderhandlung gegen die in Ziffer 1 bis 4 enthaltene
Anordnung gemäß § 75 Abs. 1 Nr. 1; Abs. 3 IfSG wird hingewiesen.

7. Ziffern 1 und 2 treten am 17. März 2020 in Kraft und gelten bis einschließlich
19. April 2020. Ziffern 3 bis 5 treten am 18. März 2020 in Kraft und gelten bis
einschließlich 30. März 2020. Die Allgemeinverfügung vom 11. März 2020,
Az. 51b-G8000-2020/122-45, tritt mit Ablauf des 16. März 2020 außer Kraft.

8. Diese Allgemeinverfügung ist sofort vollziehbar.

Begründung:

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 hat sich in kurzer Zeit weltweit verbreitet, sodass
die WHO am 11.03.2020 das Ausbruchsgeschehen als Pandemie bewertet hat.
Die Erkrankung ist sehr infektiös. Es besteht weltweit, deutschlandweit und bayernweit
eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation mit starker Zunahme der Fallzahlen
innerhalb weniger Tage auch in Bayern. Inzwischen werden aus allen Regierungsbezirken
Bayerns vermehrt Erkrankungsfälle (COVID-19) ge-meldet. Insbesondere
ältere Menschen und solche mit vorbestehenden Grunder-krankungen sind von
schweren Krankheitsverläufen betroffen und können an der Krankheit sterben. Da weder
eine Impfung in den nächsten Monaten, noch derzeit eine spezifische Therapie zur
Verfügung stehen, müssen alle Maßnahmen ergrif-fen werden, um die Ausbreitung zu
verlangsamen, damit die Belastung für das Ge-sundheitswesen reduziert und die medizinische
Versorgung sichergestellt werden kann. Zur Begründung im Einzelnen:

Zu Nr. 1:
Nach § 28 Abs. 1 Satz 2 IfSG kann die zuständige Behörde Veranstaltungen einer
größeren Anzahl von Menschen beschränken oder verbieten, wenn Kranke, Krankheitsverdächtige,
Ansteckungsverdächtige oder Ausscheider festgestellt werden oder
sich ergibt, dass ein Verstorbener krank, krankheitsverdächtig oder Aus-scheider
war, soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten
erforderlich ist.
Bei SARS-CoV-2 handelt es sich um einen Krankheitserreger im Sinne des § 2 Nr. 1
IfSG, der sich in Bayern derzeit stark und immer schneller verbreitet. In allen Regierungsbezirken
wurden bereits Krankheits- und Ansteckungsverdächtige festgestellt.
Durch den vorherrschenden Übertragungsweg von SARS-CoV-2 über Tröpfchen,
z.B. durch Husten, Niesen, und durch teils mild erkrankte oder auch asymptomatisch
infizierte Personen kann es zu Übertragungen von Mensch-zu-Mensch kommen.
Das Verbot von Veranstaltungen dient insbesondere dem Zweck, eine Ausbreitung
von COVID-19 zeitlich und räumlich zu verlangsamen und in der gegenwärtigen Lage
insbesondere von der noch anhaltenden Influenzawelle zu entkoppeln. Eine zeitlich
langsamere Ausbreitung hat den Vorteil, dass die medizinischen Versorgungssysteme
über einen größeren Zeitraum in Anspruch genommen werden und die punktuelle
Belastung geringer bzw. eine Überlastung vermieden wird.
Unter Berücksichtigung dieser Faktoren ist die zeitlich befristete Verbotsanordnung
verhältnismäßig und gerechtfertigt, um der vorrangigen Gesundheitssicherheit der
Bevölkerung (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) Rechnung zu tragen.

Zu Nr. 2:
Aus den gleichen Gründen wie in Nummer 1 dargelegt, ist es erforderlich, die genannten
Freizeiteinrichtungen zu schließen, da sonst über die dortigen Kontakte die
Weiterverbreitung des Virus erfolgt.

Zu Nr. 3:
Aus den gleichen Gründen wie in Nummer 1 dargelegt, ist es erforderlich, Gastronomiebetriebe
zu schließen, da sonst über die dortigen Kontakte die Weiterverbreitung
des Virus erfolgt. Unter Abwägung der Infektionsrisiken und der Möglichkeiten, diesen
ausreichend entgegen zu wirken, sind Ausnahmen vertretbar.

Zu Nr. 4:
Aus den gleichen Gründen wie in Nummer 1 dargelegt, ist es erforderlich, die Ladengeschäfte
des Einzelhandels zu schließen, da sonst über die dortigen Kontakte die
Weiterverbreitung des Virus erfolgt. Unter Abwägung der Sicherstellung der Versorgung
einerseits und der bestehenden Infektionsrisiken andererseits werden Bereiche
genannt, für die keine Schließung angeordnet ist. Außerdem erhält die Kreisverwaltungsbehörde
das Recht, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen, soweit dies aus infektionsschutzrechtlicher
Sicht vertretbar ist.

Zu Nr. 5:
Das LadSchlG in der Fassung der Bekanntmachung vom 2. Juni 2003 (BGBl. I S.
744), das zuletzt durch Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert
worden ist, lässt gemäß § 23 Abs. 1 Satz 1 LadSchlG die Bewilligung von befristeten
Ausnahmen von den Ladenschlusszeiten nach § 3 Satz 1 Nr. 1 LadSchlG zu, sofern
diese im öffentlichen Interesse dringend nötig werden. Das Bayerische Staatsministerium
für Familie, Arbeit und Soziales ist nach § 1 Abs. 1 Satz 1 der ZustV-GA vom
9. Dezember 2014 (GVBl. S. 555) in Verbindung mit Nr. 8.4 der Anlage zu dieser
Verordnung für die Bewilligung von bayernweiten Ausnahmen im Rahmen des § 23
Abs. 1 LadSchlG zuständig.
Die Voraussetzungen für die Erteilung der Bewilligung liegen vor.
Die Entwicklungen bei der Verbreitung des Corona Virus SARS-CoV-2 bedingen seitens
der Bevölkerung ein erhöhtes Versorgungsbedürfnis mit Bedarfsgütern, welches
im Rahmen der in § 3 LadSchlG vorgegebenen Ladenschlusszeiten, insbesondere
an Sonn- und Feiertagen, nicht in der notwendigen Form gestillt werden kann.
Das für die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung auf der Grundlage des § 23 Abs.
1 LadSchlG erforderliche dringende öffentliche Interesse ist insoweit gegeben.

Zu Nr. 6:
Die in Ziffer 1 enthaltene Anordnung findet ihre Grundlage in § 28 Abs. 1 Satz 2 IfSG.
Zuwiderhandlungen sind daher strafbar nach § 75 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 3 IfSG.

Zu Nr. 7:
Ziffer 1 und 2 treten am 17. März in Kraft und gelten bis einschließlich 19. April 2020.
Ziffern 3 bis 5 treten am 18. März in Kraft und gelten jedenfalls zunächst bis einschließlich
30. März. 2020, da sie noch stärker in die Rechte der Betroffenen eingreifen.

Zu Nr. 8:
Diese Anordnung ist, soweit sie auf das IfSG gestützt ist gemäß § 28 Abs. 3 in Verbindung
mit § 16 Abs. 8 IfSG kraft Gesetzes sofort vollziehbar. Für die sofortige Vollziehbarkeit
von Nr. 5 gilt: Für Ziffer 5 der Allgemeinverfügung wird die sofortige Vollziehung
gemäß § 80 Abs. 2 Nr. 4 Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO) angeordnet.
Die sofortige Geltung der bewilligten Ausnahme nach Ziffer 5 liegt im öffentlichen Interesse.
Wie bereits ausgeführt, sind die angeordneten Maßnahmen notwendig, um –
im Interesse der öffentlichen Sicherheit – die verlässliche Versorgung der Bevölkerung
mit Lebensmitteln, Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs und existentiellen
Dienstleistungen sicherzustellen. Die Eindämmung der Corona-Pandemie erfordert
sofortiges entschlossenes Handeln, weshalb auch die flankierende Geltung der bewilligten
Ausnahmen keinen Aufschub duldet und im öffentlichen Interesse für sofort
vollziehbar erklärt wird.

Rechtsbehelfsbelehrung:

Gegen diese Verfügung kann innerhalb eines Monats nach ihrer Bekanntgabe
schriftlich, zur Niederschrift oder elektronisch in einer für den Schriftformersatz zugelassenen
Form* Klage erhoben werden. Die Klage ist an das Verwaltungsgericht zu
richten, in dessen Bezirk der Beschwerte seinen Sitz oder Wohnsitz hat.
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz im Regierungsbezirk Oberbayern ist die
Klage zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht München in 80335 München
Postfachanschrift: Postfach 20 05 43, 80005 München
Hausanschrift: Bayerstraße 30, 80335 München
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz in Regierungsbezirken Niederbayern und
Oberpfalz ist die Klage zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Regensburg in 93047 Regensburg
Postfachanschrift: Postfach 11 01 65, 93014 Regensburg
Hausanschrift: Haidplatz 1, 93047 Regensburg
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz im Regierungsbezirk Oberfranken ist die
Klage zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Bayreuth in 95444 Bayreuth

Postfachanschrift: Postfach 11 03 21, 95422 Bayreuth
Hausanschrift: Friedrichstraße 16, 95444 Bayreuth
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz im Regierungsbezirk Mittelfranken ist die
Klage zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Ansbach in 91522 Ansbach
Postfachanschrift: Postfach 616, 91511 Ansbach
Hausanschrift: Promenade 24-28, 91522 Ansbach
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz im Regierungsbezirk Unterfranken ist die
Klage zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Würzburg in 97082 Würzburg
Postfachanschrift: Postfach 11 02 65, 97029 Würzburg
Hausanschrift: Burkarderstraße 26, 97082 Würzburg
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz im Regierungsbezirk Schwaben ist die Klage
zu erheben bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Augsburg in 86152 Augsburg
Postfachanschrift: Postfach 11 23 43, 86048 Augsburg
Hausanschrift: Kornhausgasse 4, 86152 Augsburg
- Für Kläger mit Sitz oder Wohnsitz außerhalb Bayerns ist die Klage nach Wahl
des Klägers zu erheben entweder bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht Ansbach in 91522 Ansbach
Postfachanschrift: Postfach 616, 91511 Ansbach
Hausanschrift: Promenade 24-28, 91522 Ansbach

oder bei dem

Bayerischen Verwaltungsgericht München in 80335 München
Postfachanschrift: Postfach 20 05 43, 80005 München
Hausanschrift: Bayerstraße 30, 80335 München

Die Klage muss den Kläger, den Beklagten und den Gegenstand des Klagebegehrens
bezeichnen und soll einen bestimmten Antrag enthalten. Die zur Begründung
dienenden Tatsachen und Beweismittel sollen angegeben, die angefochtene Verfügung
soll in Abschrift beigefügt werden. Der Klage und allen Schriftsätzen sollen bei schriftlicher Einreichung oder Einreichung zur Niederschrift Abschriften für die übrigen
Beteiligten beigefügt werden.

Hinweise zur Rechtsbehelfsbelehrung:
*Die Einlegung eines Rechtsbehelfs per einfacher E-Mail ist nicht zugelassen und
entfaltet keine rechtlichen Wirkungen! Nähere Informationen zur elektronischen Einlegung
von Rechtsbehelfen entnehmen Sie bitte der Internetpräsenz der Bayerischen
Verwaltungsgerichtsbarkeit (www.vgh.bayern.de).
Kraft Bundesrechts wird in Prozessverfahren vor den Verwaltungsgerichten infolge
der Klageerhebung eine Verfahrensgebühr fällig.

gez. 
Ruth Nowak 
Ministerialdirektorin 
gez.
Dr. Markus Gruber
Ministerialdirektor