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31.01.2019

Neujahrsansprache der 1. Bürgermeisterin

 

Es gilt das gesprochene Wort

 

Festrede der Ersten Bürgermeisterin anlässlich des Neujahrsempfangs der Gemeinde Niederwerrn 2019

20.01.2019, Gemeindezentrum / Niederwerrn

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich freue mich Sie alle hier in unserem Gemeindezentrum zum Neujahrsempfang 2019 der Gemeinde Niederwerrn begrüßen zu dürfen.

 

Es ist eines der festen Rituale unseres Gemeindelebens im Rahmen dieses Empfanges hier in unserem Gemeindezentrum zusammenzukommen und gemeinsam mit alten Bekannten, Kollegen und Mitstreitern in das vor uns liegende Jahr zu starten.

 

Ich freue mich daher außerordentlich, dass Sie alle meiner Einladung gefolgt sind, um diese Feierstunde zum Jahresbeginn gemeinsam mit uns hier in Niederwerrn zu begehen.

 

Ihnen allen ein herzliches Willkommen. Gleichzeitig darf ich Ihnen Allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019 wünschen.

 

Liebe Gäste,

 

John F Kennedy trat am 25. Mai 1961 vor den amerikanischen Kongress. Eine Verpflichtung die jeden Präsidenten der Vereinigten Staaten trifft. Die fällt natürlich leichter, wenn die allgemeine Stimmung gut ist. Wenn es Rückschläge zu verzeichnen oder gar Niederlagen einzugestehen gilt fällt dies schon schwerer.

Anfang der Sechzigerjahre war die Stimmung in den USA bedrückt. Denn wenige Wochen zuvor war es ein Mann namens Juri Gagarin gelungen, den verdienten Ruhm - als erster Mensch im Weltraum - zu ernten. Wieder einmal hatte das damalige Sowjet Russland den USA gezeigt, dass sie die einstmals unangefochtene Führungsmacht der USA im Bereich Raketentechnik, Raumfahrt und allgemeine Hochtechnologie eingeholt und teilweise sogar übertroffen hatten. Als Raumfahrtnation waren die Amerikaner geschlagen.

In diese Stimmung hinein erklärte der junge US Präsident sein Ziel (nicht einen Traum, nicht eine Vision), er erklärte sein festes Ziel: „Noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen.“

Kein Mensch, auch nicht der damalige US-Präsident, wussten wie das konkret funktionieren sollte. Klar war nur, es wird schwierig und teuer, sehr schwierig und sehr teuer, um nicht zu sagen technisch und wirtschaftlich unmöglich. Aber genau das war das Ziel das Unmögliche möglich zu machen.

Oder um es mit den eigenen Worten Kennedys zu sagen: „Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein.

Heute wissen wir alle, dieses Ziel wurde erreicht. Es wird bis heute bewundert und dient als Inspiration. Das Ganze ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass hier nicht ein antiker Pharao seine Untertanen zum Bau der Pyramiden aufforderte, sondern ein in freier Wahl demokratisch gewählter Präsident vermochte alleine mit der Kraft seiner Worte und dem Charisma seiner Person eine Nation, eine Generation vom Erfolg zu überzeugen. Sie dafür zu gewinnen nicht darüber zu streiten „ob“ das Ziel erreicht werden kann, sondern „wie“ das Ziel erreicht werden kann. Diese Tatsache ist für mich mindestens ebenso beeindruckend wie die Mondlandung selbst. Denn schließlich sprechen wir nicht von irgendeinem Jahrzehnt.

Es ist ja nicht so, dass in den sechziger Jahren außer der Mondlandung keine anderen Herausforderungen zu bewältigen gab. In dieser Zeit ist es zugleich gelungen elementare Menschenrechte für diejenigen einzufordern, denen sie bis dahin verwehrt wurden. Die Emanzipation der Frauen zu fördern. Den Muff von tausend Jahren aus Universitäten und Amtsstuben zu fegen. Zudem war es auch die Zeit schwerer politischer und militärischer Krisen. Mauerbau, Kubakrise, Sechstagekrieg, Vietnamkrieg, Prager Frühling usw. usw.

In diesen bewegten Zeiten gelang die Umsetzung. Nach Irrwegen, nach Fehlkalkulationen, nach Fehlinvestitionen, nach Rückschlägen. Bemerkenswert ist auch, dass diese Umsetzung nicht in einem totalitären oder gelenkten System, sondern in einem Land und in einer Gesellschaft, die zu ihrer Zeit wie keine zweite die Ideale der Freiheit verkörperte. Die Umsetzung gelang auch dann, als der Vater dieses Gedankens selbst schon lange tot war.

Sie gelang, da es Präsident Kennedy gelungen war, sein eigenes Ziel zu einem gemeinsamen Ziel zu machen. Alle auf den Erfolg dieser Mission zu verpflichten und in Vielen den Willen zum Erfolg zu wecken.

Die erfolgreiche Mondlandung jährt sich in diesem Jahr am 20. Juli übrigens zum fünfzigsten Mal. Das ist aber nicht der Grund warum ich Ihnen das alles erzähle. Ich wollte es nur am Rande erwähnen, weil es mir bei der Vorbereitung dieser Rede aufgefallen ist.  

Der Grund weshalb ich Ihnen das alles erzähle, bzw. der Auslöser für diese Gedanken war ein Fernsehinterview und auch Zeitungsartikel, welche ich irgendwann nach der bay. Landtagswahl wahrgenommen hatte. Die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär wurde zum Zustand und den Ausbauplänen für eine weitere Digitalisierung befragt. Der Unterton des Ganzen war, dass der Ausbau für schnelles und flächendeckendes Internet zu schwerfällig und zu langsam sei. Die Grundstimmung des Interviews kann man vielleicht als bedrückt beschreiben. Was folgte waren allgemeine Aussagen zu den Bemühungen der Regierung sich nun ernsthaft um einen Ausbau zu bemühen. Es werde alles schneller, alles stabiler, überhaupt alles besser werden. So weit so gut, wir alle kennen solche Interviews und Talkrunden zu genüge. Bis das Wort Lufttaxi fiel. Die Staatsministerin erklärte nämlich, zur Digitalisierung gehöre mehr als nur der Internetausbau. Beispielsweise gehörten hierzu auch Fragen der Mobilität und deren Wandel, etwa durch die Nutzung von Lufttaxis.

Ich gebe zu ich war im ersten Moment mehr als überrascht. Denn auch wenn wir uns hier auf kommunaler Ebene selbstverständlich auch mit dem Ausbau und der Zurverfügungstellung schneller und besserer Internetverbindungen oder ganz allgemein mit dem Breitbandausbau beschäftigen, hat mich die Tatsache, dass ein Mitglied der Staatsregierung sich Gedanken über Lufttaxis macht und dies in einem Fernsehinterview freimütig und fast schon mit einer Selbstverständlichkeit ausplaudert, geradezu vor den Kopf gestoßen.

Der Moderatorin der Sendung ging es offenbar auch so. Denn es folgte eine prompte Nachfrage. Ich kann mich nicht mehr an den genauen Wortlaut der Formulierung erinnern. Sinngemäß war die Frage: Glauben sie wirklich Menschen werden in absehbarer Zeit Lufttaxen nutzen? Aus dem Tonfall der Moderatorin konnte jeder vernehmen was sie eigentlich dachte, nämlich, ich kann gar nicht fassen, dass ausgerechnet Sie als Staatsministerin so naiv sind zu glauben, die Menschen werden in absehbarer Zeit Lufttaxen nutzen!

Bestätigt hat sich dieser Eindruck in weiteren Zeitungsberichten und Nachrichten die diese Aussage, die wohl auch an anderer Stelle wiederholt wurde, aufgriffen. Allgemein wurde die Idee Lufttaxi der Staatsministerin eher in lächerliche gezogen. Im Internet auch mit Häme bedacht.

Wenn Sie meine Meinung dazu hören wollen, ich weiß nicht, ob in absehbarer Zeit oder überhaupt jemals Menschen Lufttaxen fliegen werden. Ich habe meine Zweifel.

Aber ich zweifele nicht, weil es eine verrückte Idee wäre. Und die Idee hört sich verrückt an, keine Frage.

Doch ist sie heute wirklich verrückter als 1961 das Ziel zu formulieren einen Menschen zum Mond zu schießen und ihn sicher wieder zurück zu holen?

Was mich zweifeln lässt sind die heutigen Reaktionen auf solch kühne Ideen. Und obwohl uns doch eigentlich ein Blick zurück in unsere Geschichte etwas Anderes lehrt, lassen sich heute scheinbar nicht mehr alle inspirieren, von der Chance auf den Erfolg überzeugen. Heute scheint es oft so, als schrecke allein die Gefahr des Scheiterns, das Risiko der Fehlinvestition, die Angst vor einer Niederlage Viele davon ab, sich überhaupt erst auf neue Wege einzulassen.

Dabei wissen wir, dass nicht nur durch die Mondlandung, nicht nur auf dem Gebiet der Technik, sondern in allen denkbaren Gebieten immer wieder Erfolge und Ergebnisse erzielt wurden, die bis dahin als unmöglich ja sogar als undenkbar galten. Wer hätte gedacht, dass es heute gelingt sieben Milliarden Menschen besser zu ernähren, zugegeben noch nicht alle gut aber insgesamt besser, als vor dreißig Jahren fünf Milliarden Menschen. Wer hätte vor 100 Jahren gedacht, dass man das Wahlrecht auch für Frauen zulassen kann, ohne das die Welt sich aufhört zu drehen.

Auch wir leben in Zeiten voller Veränderungen und Herausforderungen. Wir alle wissen das. Wir brauchen nur den Computer anzuschalten, die Zeitung aufzuschlagen oder den Fernseher anzustellen. Die Nachrichten erinnern uns. Aber war dies jemals anderes. Sind die Herausforderungen denen wir uns gegenüber sehen wirklich schwieriger, unlösbarer als die zahllosen unmöglichen Aufgaben die Generationen vor uns bewältigt haben. Was ist es denn was einen Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück gebracht hat. Ja, es ist ausgefeilte Technik, es sind riesige finanzielle Mittel, es ist harte Arbeit aber eben auch der unbedingte Wille zum Erfolg. Und die feste Überzeugung das einmal gesetzte Ziel erreichen zu können, gerade im Wissen wie schwierig und teuer es werden wird.

 

Liebe Gäste,

gerade zu Beginn dieses Jahres, wenn traditionell neue Vorsätze gefasst werden, möchte ich diesen Gedanken mitnehmen. Wieder bereit zu sein an den Erfolg zu glauben. Denn wir haben allen Grund dazu.

Der Erfolg im Großen wird sich einstellen, wenn er durch viele Schritte im Kleinen erarbeitet wurde. Auch hier kann uns das Erreichte zuversichtlich stimmen.

Schauen wir auf den kleinen Bereich den wir jeden Tag überblicken, schauen wir auf unserer Gemeinde. Auch hier können wir eine positive Entwicklung feststellen. Wir haben noch nicht alle unsere Ziele erreicht. Aber einige liegen schon in greifbarer Nähe und ich bin zuversichtlich, dass in diesem Jahr die Früchte von Monaten und teilweisen Jahren der Arbeit sichtbar werden. Ich denke hier an die „Neue Mitte“ in Niederwerrn, oder an unser Haus des Kindes in Oberwerrn. Ich denke an die Konversion in den Conn Barracks Bei manch anderen Projekten ist der Weg zum Ziel noch weiter.

Alle Daten zeigen, einen positiven Trend.

Die Gemeinde Niederwerrn ist schuldenfrei und konnte neben konsequenten Investitionen zugleich die Rücklagen erhöhen. Eine Entwicklung, das sage ich ganz offen, nicht nur am Können der eigenen Finanzplanung liegt. Vielmehr profitiert die Gemeinde Niederwerrn und profitieren wir als Bürgerinnen und Bürger von der Tatsache, dass unsere Gemeinde, unsere beiden Gemeindeteile Niederwerrn und Oberwerrn als Wohnort beliebt und auch begehrt sind. Hier wirkt sich natürlich die unmittelbare Nähe zum Oberzentrum Schweinfurt und die anhaltend gute wirtschaftliche Entwicklung aus. Erst sie ermöglicht es, jungen Familien Grundstücke und Wohnungen in Niederwerrn zu kaufen. Doch diese verhältnismäßig günstigen Rahmenbedingungen kann nicht nur unsere Gemeinde vorhalten. Das aber junge Familien nicht in neu erschlossene Baugebiete anderer Gemeinden abwandern und hier zunehmend Leerstände entstehen versucht die Gemeinde durch eine konsequente Umsetzung der Innenentwicklung im Rahmen der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal zu verhindern. Bisher mit Erfolg. Denn Leerstände konnten vermieden und vorhandene Baulücken teilweise geschlossen werden. Auch weil Niederwerrn nicht allein auf seine räumliche Nähe zu Schweinfurt setzt, sondern planvoll und nachhaltig in seine Infrastruktur investiert hat und weiter investiert. Seien es Kindergärten, Schulen oder aktuell die Ermöglichung weiterer Tagesbetreuungsmöglichkeiten für pflegebedürftige Senioren. Gemeinsam versuchen wir die akuten und die absehbaren Bedürfnisse nach besten Kräften zu befriedigen. Dies gelingt manchmal leichter, manchmal schwieriger aber insgesamt gelingt es erfolgreich.

Dass man voller Überzeugung sagen kann, ich leben gern in Niederwerrn, ist jedoch nicht nur ein Erfolg den sich die Gemeinde allein auf ihre Fahne schreiben könnte. Nein sicher nicht. Vor allem durch die hervorragende Arbeit unserer zahlreichen Vereine wird aus einer verwalteten Gemeinde eine lebendige und aktive Gemeinschaft. Aus dieser Gemeinschaft heraus wird unser Gemeindeleben durch zahlreiche Veranstaltungen verschiedenster Art das ganze Jahr hindurch bereichert.

Alle die als Übungsleiter, Trainer, Vorstand oder in sonstiger Weise in einem Verein, im Gemeinderat, im Pfarrgemeinderat Verantwortung übernehmen und Projekte umsetzen wollen, wissen es.

Ich weiß es.

Es ist das eine, Unterstützung für einen Vorschlag zu bekommen, eine Veranstaltung, ein Fest was auch immer auszurichten. Es ist aber etwas anderes Helfer zu finden, wenn die Veranstaltung vor der Tür steht und es ernst wird. In diesen Momenten ist es oft nicht leicht weiter an den Erfolg zu glauben. Darum danke ich allen umso herzlicher, die in diesen Stunden nicht hinwerfen, die nicht aufgeben und weiter machen. Mein Dank gilt an dieser Stelle allen ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern durch deren Einsatz unserer Gemeinde erst liebens- und lebenswert wird.

Der Klimawandel ist eine große Herausforderung unserer Zeit. Was uns bevorsteht prognostizieren die Experten. Dass er kommt haben Unwetter und ein extrem trockner Sommer im vergangenen Jahr noch einmal gezeigt. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels soweit er von uns Menschen gemacht ist, zu bändigen und zu begrenzen ist das Ziel – schwierig und teuer - aber es können sich viele darauf verständigen. Eine Aufgabe die nur gemeinsam zu lösen ist. Eine Aufgabe, der sich nicht nur die europäische Union, Bundes- und Landesregierungen oder die Industrie stellen muss, sondern die nur von uns allen, durch das Zutun jedes Einzelnen bewältigt werden kann.

Auch auf kommunaler Ebene versuchen wir vor Ort unseren Beitrag hierzu zu leisten. Beispielsweise durch ein Mobilitätskonzept, welches der Landkreis Schweinfurt und auch wir ergänzend mit der Energiegenossenschaft Oberes Werntal umsetzten. Ein Ziel ist es hierbei, Verkehr und Emissionen weitestgehend zu vermeiden. Beispielsweise indem Fahrten einzelner Personen alleine in einem PKW überflüssig werden, wenn sie durch den öffentlichen Personennahverkehr, sprich den Bus, ersetzt werden können. Wenn nur ein oder zwei Menschen im Bus sitzen ist das weder hilfreich um Emissionen zu vermeiden noch wirtschaftlich. Die Lösung die Fahrt aus dem Fahrplan zu streiche ist logisch und vernünftig. Nur zielführend ist sie nicht. Denn unser Ziel ist es ja aus den zwei Fahrgästen vier, acht, sechzehn, usw. zu machen.

Aber Menschen dazu zu bringen den Bus statt den PKW zu nutzen wird umso schwerer wenn immer weniger Busse fahren. Aus aktuellen Anlass haben wir daher die Stadtwerke gebeten die Fahrplananpassung nochmals zu überarbeiten. Nun, Sie konnten es gestern der Presse entnehmen, dies wurde getan und eine angemessene Busversorgung wird nun sichergestellt. Und dies ist auch notwendig, zumindest solange, bis Lufttaxen eingesetzt werden können.