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13.11.2020

Geleitwort der 1. Bürgermeisterin zum Volkstrauertag 2020

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

an jedem dritten Sonntag im November stehen wir in unserer Gemeinde zusammen, um den Toten zweier Weltkriege und allen Opfern von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft zu gedenken.

In diesem Jahr ist es leider nicht möglich, dass wir persönlich zusammenstehen. Denn die akute Bedrohung durch das Coronavirus SARS-CoV-2 erfordert umfangreiche Schutzmaßnahmen. Die Krankheit Covid-19 kann einen schweren Verlauf nehmen. Aber jeder kann durch die Beachtung der gebotenen Schutzmaßnahmen sich selbst, aber auch seine Mitbürgerinnen und Mitbürger schützen.

Vor einhundert Jahren grassierte die Spanische Grippe. Sie forderte Millionen von Opfern. Aus dieser und aus anderen Pandemien haben die Virologen gelernt und Strategien zum Schutz und zur Abwehr entwickelt. Auch hier gilt, nie wieder so viele Opfer zulassen. Dies bedeutet, dass wir nicht mehr alles machen können was wir gerne möchten. Unsere persönliche Freiheit ist insofern beschränkt.

Doch liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich appelliere an das Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen. Denn Freiheit im Handeln gebietet auch das notwendige zu tun, wenn es darauf ankommt. Lassen Sie uns in diesem Sinne zusammen stehen, auch ohne zusammen zu kommen.

 

In vielen Ländern Europas und in Nordamerika ist der 9. November, in Erinnerung an das Ende des ersten Weltkrieges, der nationale Gedenktag. Ein Gedenktag, der vor allem durch das Andenken und die Würdigung des Opfers der -eigenen- Gefallenen geprägt ist.

 

In Deutschland folgen wir ganz bewusst einer anderen Tradition. Unsere Gedanken gelten am Volkstrauertag ausnahmslos allen Opfern, gleich welcher Nation, gleich ob Soldat oder Zivilist. Denn sie alle haben durch ihr Opfer unsere Welt geprägt.

Der romantische Blick in die Vergangenheit trügt, wenn wir meinen, früher war alles besser. Die Geschichte Europas ist eine Erfolgsgeschichte. Doch der Weg zu Frieden, Freiheit und Wohlstand für alle Völker in einem vereinten Europa war beschwerlich und voller Hindernisse. Dass diese letztlich doch überwunden werden konnten war nicht zuletzt auch dem Eindruck der unzähligen Opfer zuzuschreiben. Wer auch nur einmal über die weiten stillen Felder der Soldatenfriedhöfe in Frankreich schreitet, wer auch nur einmal vor einem Krematorium der Vernichtungslager steht, der versteht den Wunsch: „Nie mehr wieder!“ Der versteht, dass es nie wieder zu solchen Opfern kommen darf.

 

Trotz aller Erfolge, Hass und Gewalt sind auch aus Europa nicht restlos verschwunden. Auch nach Phasen vermeintlicher Ruhe fordern terroristische Akte wieder neue Opfer, wie kürzlich in Paris, Nizza und Wien. Wir dürfen dieser Gewalt nicht weichen und müssen zusammenstehen, um den Hass, der diese Gewalt speist, zu überwinden.

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

auch wenn wir an diesem Volkstrauertag nicht zusammenkommen, nehmen Sie sich bitte einen besinnlichen Moment der Stille. Ich danke Ihnen.

 

Ihre Bettina Bärmann

1. Bürgermeisterin

 

Totengedenken

 

Wir denken heute
an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben,
der Menschen, die durch Kriegshand­lungen oder
danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden,
weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden,
Teil einer Minderheit waren oder deren Leben
wegen einer Krankheit oder Behinderung
als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand
gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an
ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und
politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und
anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer,
die bei uns durch Hass und Gewalt gegen
Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen,
die Leid tragen um die Toten und
teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der
Hoffnung auf Versöhnung unter den
Menschen und Völkern,
und unsere Verantwortung gilt dem
Frieden unter den Menschen zu Hause
und in der ganzen Welt.